2010: was haben wir erreicht?
Nachhaltigkeit in den Betrieben und auf dem Markt
Neue Produkte
Neue Ideen
Wie und wann haben sich Konsumenten und Produzenten gefunden?
Der Weg unserer Lebensmittel vom Produzenten bis in unsere Küche oder den Mittagstisch kann kurz oder lang sein, so wie wir einkaufen. Die Tendenz ist im Moment allerdings, dass unsere Lebensmittel von weit her kommen, lange Wege sind fast normal geworden.
Allerdings hat es immer Konsumenten gegeben, die gerne saisonal kochen, essen. Die Grossmutter-Küche ist wieder aktuell. Fast-Food oder wie man all das Vorfabrizierte nennen will, ist praktisch, kann auch helfen, unsere Küche attraktiver zu machen. Ernährungsfachleute sind im Moment allerdings nicht zufrieden mit unsern Essgewohnheiten. Darum ist der Bauernmarkt in den Jahren seines Bestehens immer mehr zu einem Treffpunkt derjenigen geworden, die gerne gut essen, auch kochen und alte und neue Obst- und Gemüsesorten schätzen. Slow food nach St.Galler Art!
19 Jahre St. Galler Bauernmarkt sind vorbei. Erreicht haben wir einiges, vieles auch in Bewegung setzen können. Unser Markt ist eine Institution geworden, die viele nicht missen wollen, Kundinnen, Kunden, Nachbarn, die Marktgasse, auch Stadtväter.
Was während der Marktzeit angeboten wird, ist sichtbar: Frisches, Regionales und damit Saisonales.
Was aber zu Hause, auf den Betrieben geschieht, ist wenig sichtbar. Eine kleine Umfrage auf den einzelnen Höfen hat einiges gezeigt, was für Nachhaltigkeit, Verantwortung gegenüber Tieren und Umwelt spricht:
- So zum Beispiel eine grosse Photovoltaikanlage, die Strom produziert,
- eine Stückholz-Feuerung mit Speicherheizung, d.h. optimale Verbrennung,
- ein Stall-Neubau mit besonders tierfreundlicher Haltung.
- eine moderne Heubelüftung, die allen dient, den Tieren, die besseres Futter erhalten, den Menschen, die rationeller arbeiten können.
- Die Backwaren vom Hof werden mit Butter aus der nahen Käserei gemacht, die Milch, die Eier stammen vom Hof, das Mehl aus der Ostschweiz.
- statt Schneckenkörner zu streuen, sind die Enten die Schneckenpolizei
- Gülle wird mit Schleppschlauch ausgebracht, der Ammoniak ist dort, wo er benötigt wird, nicht aber in der Luft. Die Nachbarn freuts.
- Die Alpgebäude werden mit Solarstrom versorgt, geheizt wird mit eigenem Holz.
- Milchprodukte wie Käse, Rahm, Butter und Joghurt aus erster Hand.
- In Planung sind Lagerräume, Rüsträume. Die Abwärme der Kühlräume wird zur Heizung benützt.
- Ähnliches geschieht beim Obstbau. So werden zur Eindämmung von Rotspinnen in den Obstanlagen Raubmilben auf Holunderbüschen ausgelegt, die dann auf die Obstbäume übergehen. Das Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen bleibt erhalten.
- Obst wird in CA oder ULO-Anlagen gelagert, sodass bis zur neuen Ernte Sorten fast wie frisch geerntet angeboten werden können (CA = kontrollierte Atmosphäre, ULO = ultra low oxygen).
- Es wird viel über Hochstammbäume im Zusammenhang mit Feuerbrand geschrieben. Allerdings sind sie, ausser einer Zierde in der Landschaft auch ökologisch wertvoll: sie bieten Lebensraum für viele Insekten, Vögel.
- Leider beginnt dieses Jahr der Markt nach Ostern, sodass die mit Kräutern oder Zwiebelschalen gefärbten Ostereier nicht angeboten werden können.
- Bei den Tomaten waren letzte Saison die alten Sorten die grossen Renner. Sagt Ihnen die Berner Rose als Tomate oder Froschkönigs Goldkugel etwas? Die eine faltig dunkelrosa, gelb die andere, aber beide mit unvergleichlichem Geschmack.
- es gibt eine Mini-Tomate, die Kusamo heisst, grün-dunkel gestreift, die einfach probiert werden muss.
- Daneben werden alte Gemüsesorten wieder angepflanzt, Setzlinge angeboten. Einer, der dies mit viel Engagement tut, ist Peter Thurnheer.
Wir werden versuchen, in diesem Jahr auf diese Vielfalt hinzuweisen, eben neben den Tomaten alte Rüeblisorten in verschiedenen Farben, dann die Wurzelpeterli, die sich sehr für Suppen eignen, die Pastinaken und viele weitere Raritäten. Diese gedeihen in einer Flussschleife des alten Rheins. Durch das Bodenseeklima und die fruchtbaren Rheinschwemmböden bestehen ideale Voraussetzungen für einen vielfältigen Anbau.
- Bei unserer Umschau möchten wir auch den Gewölbekeller im Schlossgut erwähnen. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert, wurde entfeuchtet, wieder hergerichtet für spezielle Anlässe.
- Für uns Städter ist es immer wieder spannend, die Abläufe auf den Höfen zu erleben.
- Da gibt es das Beispiel zur Zeit der Maiskolbenernte, bei der die Kühe den Geruch des Maises spüren. Sie sind ganz wild auf die Abfälle, die entstehen. Vieles andere wird kompostiert und der natürliche Kreislauf wird wieder hergestellt.
- Viele landwirtschaftlichen Betriebe haben ihre Heizungen auf Holzschnitzel umgestellt, Holz aus dem eigenen Wald. Zum Bauen wird ebenso eigenes Holz aus der Dorfsägerei verarbeitet.
Wir freuen uns, dass Sie als Konsumentinnen und Konsumenten mitmachen, denn wenn das Angebot nicht genutzt würde, wäre eine Erweiterung fraglich.
Diese Nachhaltigkeit zeigt sich dann auch, wenn unser Bauernmarkt auf hässliche Abfallcontainer verzichtet. Die Abfälle werden auf den Höfen wiederverwertet.
Die Kunden machen aber auch mit. Bringen Eiercartons, Flaschen oder andere Gebinde zurück. Das Gekaufte wird in mitgebrachten Taschen, Rucksäcken, Kinderwagen versorgt.
Die Preise auf dem Markt sind moderat. Vieles ist Handarbeit, ist preiswert.
Grosse Transporte entfallen.
Was aber auch wichtig ist: Der Bauernmarkt bietet Plattform für Gespräche. Sei es unter den Konsumentinnen und Konsumenten oder auch mit den Produzenten. Viele Freundschaften sind entstanden.
Der St.Galler Bauernmarkt ist zu einem Begegnungsort zwischen Konsumenten, Produzenten, Jung und Alt geworden.
Die Innenstadt wird an jedem Freitagmorgen belebt.
